Neuer Bericht belegt erstmals das Ausmaß
von „Littering“ in Österreich
Für 66 Prozent der Bevölkerung wird nicht genug gegen das
achtlose Wegwerfen von Müll unternommen.

Wien, 1. Oktober 2025 – Das Problem des „Littering“ – also des achtlosen
Wegwerfens von Abfällen – ist in Österreich größer als bisher belegt. Der heute
vorgestellte 1. Österreichische Littering-Report kombiniert erstmals repräsentative
Umfrageergebnisse mit einer landesweiten Datenerhebung und zeigt: Jährlich
landen rund 15.000 Tonnen Abfälle auf Straßen, öffentlichen Plätzen und in der
Natur und müssen von Gemeinden und Freiwilligen eingesammelt werden. „Der
neue Bericht enthält solide Handlungsempfehlungen und soll es
Entscheidungsträger:innen ermöglichen, evidenzbasierte Maßnahmen gegen
Littering zu setzen“, sagte ÖSTERREICH SAMMELT-Sprecher Andreas Pertl bei der
Präsentation in Wien.
Der 1. Österreichische Littering-Report ist die erste Publikation, die das Ausmaß des
achtlosen Wegwerfens von Abfällen in Österreich systematisch dokumentiert. Er verbindet
die Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage mit einer umfassenden
Datenerhebung bei den Gemeinden zu Art und Menge der gelitterten Abfälle im
öffentlichen Raum. Damit liegt eine fundierte Basis vor, auf die Gemeinden, Politik und
Wirtschaft bei der Planung von Maßnahmen zurückgreifen können.
Konkret wurde dokumentiert, dass jährlich rund 15.000 Tonnen Abfälle per Hand
eingesammelt werden – überwiegend durch kommunale Reinigungen, ergänzt durch
ehrenamtliche Flurreinigungsaktionen. Diese Menge entspricht dem jährlichen
Abfallaufkommen einer 30.000-Personen-Gemeinde. Am häufigsten betroffen sind Städte,
wo viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen, Veranstaltungen stattfinden und
öffentliche Flächen intensiv genutzt werden.
„Die Entleerung öffentlicher Restmüllbehälter und die manuelle Straßenreinigung – also
das Aufsammeln von gelittertem Abfall – kostet den Städten und Gemeinden jedes Jahr
rund 200 Millionen Euro“, berichtet Ferdinand Koch, Geschäftsführer der VÖA –
Vereinigung öffentlicher Abfallwirtschaftsbetriebe. „Das sind Mittel, die wir eigentlich sehr
gut an anderer Stelle einsetzen könnten.“
Michael Bartmann, Bundeskoordinator der ARGE Österreichischer
Abfallwirtschaftsverbände, betont: „Der Report belegt nun erstmals in Zahlen, dass
Littering ein ernstzunehmendes Problem ist. Klar ist: Für ein sauberes und lebenswertes
Umfeld unserer Bevölkerung müssen bestehende Maßnahmen weitergeführt, aber auch
neue Ansätze gesucht werden, um Littering so weit wie möglich zu reduzieren.“
Wie häufig bestimmte Produkte gelittert werden
Von den untersuchten Produkten landen Zigarettenstummel am häufigsten in der Umwelt – laut Datenerhebung werden rund 183 Millionen Stück pro Jahr weggeräumt. Dahinter
folgen Sackerl und Folien (ca. 62 Mio.), Getränkebecher (13 Mio.) und
Lebensmittelverpackungen (11 Mio.). Es handelt sich um Hochrechnungen aus den
dokumentierten Littering-Mengen – die Dunkelziffern sind weitaus höher. Eine Schätzung
des Umweltbundesamts geht davon aus, dass jährlich mindestens drei Milliarden
Zigarettenstummel unsachgemäß entsorgt werden.
Im Bereich der Kunststoffflaschen wurde mit 1. Jänner 2025 ein Pfandsystem eingeführt,
um Littering zu reduzieren, denn diese Gebinde zählten bislang ebenfalls zu den am
häufigsten gelitterten Kunststoffverpackungen.
„Die Österreichischen Gemeinden, aber auch die Wirtschaft engagieren sich schon seit
Jahren, Littering zu reduzieren und die Bevölkerung dahingehend zu sensibilisieren. Der
neue Report zeigt aber deutlich, dass es weiterhin großen Handlungsbedarf gibt, um
Vermüllung noch weiter zu reduzieren und unser aller Umfeld sauber und lebenswert zu
halten“, sagt Andreas Pertl, Geschäftsführer der Verpackungskoordinierungsstelle und
Sprecher der Initiative von ÖSTERREICH SAMMELT.
Wie die Bevölkerung Littering sieht
Eine repräsentative Befragung von 2.096 Personen durch das Market Institut im Auftrag
von ÖSTERREICH SAMMELT verdeutlicht zugleich, dass Littering auch für die Bevölkerung
keineswegs ein Randthema ist. Mehr als acht von zehn Menschen in Österreich (84
Prozent) ärgern sich „sehr“ oder „etwas“ über Müll auf Straßen oder in der Natur. Knapp
ein Drittel (31 Prozent) hat den Eindruck, dass die Vermüllung in den vergangenen Jahren
zugenommen hat. Gleichzeitig geben 49 Prozent an, selbst schon einmal Abfälle achtlos
entsorgt zu haben – meist Kaugummis (46 Prozent), Zigarettenstummel (39 Prozent) oder
Essensreste (35 Prozent). Während für das eigene Littering-Verhalten vorwiegend
praktische Gründe und Unachtsamkeit genannt werden, wird über andere vor allem
gesagt, sie seien zu faul oder gleichgültig (je 72 Prozent) und entsorgen deshalb ihre
Abfälle nicht ordnungsgemäß. Zwei Drittel (66 Prozent) der Bevölkerung finden, dass nicht
genügend gegen Littering unternommen wird. Wirksame Maßnahmen sind aus ihrer Sicht
insbesondere mehr Aufklärung, höhere Geldstrafen und die Verpflichtung, dass
Verursacher:innen selbst bei der Reinigung mithelfen müssen.
Handlungsempfehlungen
Die Ergebnisse von Datenerhebung und Umfrage machen deutlich, an welchen Stellen
Maßnahmen ansetzen sollten. Auf dieser Basis formuliert der Report vier konkrete
Empfehlungen, wie Gemeinden, Politik und Gesellschaft dem Littering-Problem
begegnen können.
„Aufklärung bleibt der wichtigste Hebel – besonders bei jungen Zielgruppen, die früh für
richtige Entsorgung sensibilisiert werden müssen. Ebenso braucht es attraktive
Mehrwegalternativen, eine konsequente Optimierung der Entsorgungsinfrastruktur und die
Ausschöpfung bestehender Strafmöglichkeiten. All diese Maßnahmen zusammen können
das Littering-Problem wirksam eindämmen“, so Andreas Pertl.
Johannes Pressl, Präsident des Österreichischen Gemeindebundes:
„Für die Gemeinden ist der Littering-Report eine wertvolle Grundlage. Er zeigt erstmals in
Zahlen, welche Mengen an Abfällen wir Jahr für Jahr beseitigen müssen und welche Kosten
dadurch entstehen. Diese Daten helfen uns, das Problem sichtbar zu machen und
gemeinsam mit Bund, Ländern und der Bevölkerung gezielt Lösungen zu entwickeln. Klar
ist: Saubere Orte sind ein zentrales Anliegen der Gemeinden – und dafür braucht es
verlässliche Fakten und die Unterstützung aller.“
Thomas Weninger, Generalsekretär des Österreichischen Städtebundes:
„Die Städte sind besonders betroffen: Wo viele Menschen leben und öffentlicher Raum
intensiv genutzt wird, entstehen auch mehr Abfälle. Der Littering-Report liefert uns erstmals
eine fundierte Datengrundlage, um diese Belastung auch belegbar zu machen. Für die
Städte ist das ein wichtiger Schritt, um Maßnahmen gezielt zu planen und die öffentliche
Diskussion auf eine sachliche Basis zu stellen.“
Hinweis für Medien: Andreas Pertl, Michael Bartmann und Ferdinand Koch stehen für
Interviews zur Verfügung.
Download:
Unter diesem Link können der 1. Österreichischer Littering Report sowie weiteres
Pressematerial heruntergeladen werden: https://drive.vks-gmbh.at/s/jbTFRZMssL5fLgj
Pressekontakt:
Florian Lems
0699-1161 3887
Elfi Schillinger
01-996966820
Zum Littering-Report:
Dieser Report ist Teil der Letztverbraucherinformation zu Einwegkunststoffprodukten
gemäß § 20 (1) Verpackungsverordnung und wird aus den durch die österreichischen
Wirtschaftsbetriebe aufgebrachten Zuschlägen bzw. Kostenersätzen finanziert.
Über ÖSTERREICH SAMMELT
Die Initiative ÖSTERREICH SAMMELT informiert über alle Themen rund um das
Vermeiden, Trennen, Sammeln und Recyceln von Verpackungen und schafft Bewusstsein,
um das achtlose Wegwerfen von Abfällen in unserer Umwelt zu verhindern. Organisatorin
von ÖSTERREICH SAMMELT ist die Verpackungskoordinierungsstelle (kurz VKS), ein
Tochterunternehmen des Umweltbundesamtes (UBA) im Wirkungsbereich des
Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen
und Wasserwirtschaft (BMLUK).
Träger der Initiative sind die in Österreich genehmigten Sammel- und
Verwertungssysteme für Verpackungen:
ARA – Altstoff Recycling Austria AG
Austria Glas Recycling GmbH
Bonus Holsystem für Verpackungen GmbH & Co. KG
European Recycling Platform (ERP) Austria GmbH
Interzero Circular Solutions Europe GmbH
Reclay Systems GmbH